Aus der Zerbster Volksstimme vom 31. August 2011
28. September 2011
Am 31. August 2011 berichtete die Zerbster Volkstimme über den bei Bauarbeiten wiederentdeckten Tempelsaal in unseren Schulgebäude.
Bei Bauarbeiten in der evangelischen Grundschule St. Bartholomäi
Tempelsaal der Freimaurer entdeckt
Von Anja Keßler
Vermutet, dass es ihn in dem Haus an der Schloßfreiheit geben muss, haben viele. Gefunden wurde der Tempelsaal der Freimaurer erst vor Kurzem. Bei Bauarbeiten in der heutigen evangelischen Grundschule St. Bartholomäi.
Zerbst. „Wenn man diesen Raum betritt, ist es wie eine Offenbarung“, beschreibt Dr. Holger Brülls vom Landesamt für Denkmalpflege beim gestrigen Vor-Ort-Termin. „Bei jeder Betrachtung entdeckt man immer mehr Details.“ Der Fachmann schwärmt für einen 130 Quadratmeter großen Raum, der so erst Ende Mai entdeckt wurde.
„Wir wollen das Schulgebäude weiter nutzen, bauen darum mehrere Räume aus“, erklärt Schulleiterin Friederike Grötzsch das Vorhaben. Auch die oberste Etage der St. Bartholomäi-Grundschule wurde ins Raumkonzept eingebunden. Wo früher bis zu acht Büroräume der ehemaligen Stadtverwaltung untergebracht waren, sollten drei Unterrichtsräume und ein Toilettentrakt eingezogen werden. Doch bei der Entkernung der 1969 angelegten Büroetage kam die Decke herunter und offenbarte etwas im wahrsten Sinne Großes: den Tempelsaal der Freimauerer.
Auf einmal war die Decke knapp sechs Meter hoch und an der der Tür gegenüber gelegenen Kopfseite des von drei Fensterfronten lichtdurchfluteten Raumes offenbarte sich eine Stucksonne. „Die ist mehrfach verziert gewesen, mit Blattgold, Bronze und jetzt gelb überstrichen“, erklärt Oberkirchenrat Wolfgang Philipps, der für die evangelische Landeskirche als Schulträger die Bauleitung übernommen hat. Ein angedeutetes Tonnengewölbe und aufwändige Stuckelemente sowie verzierte Kapitelle runden den Gesamteindruck des Tempelsaals ab.
Doch nicht nur Schönheit brachte die Entkernung her vor. „Die Decke zur darunter gelegenen Etage trägt die Last nicht. Die Balken sind zu schwach und außerdem mit Hausschwamm befallen“, erklärt Philipps. Es muss eine komplett neue Decke eingezogen werden. Das bedeutet Mehrkosten von 100 000 Euro und eine Zeitverzögerung.
„Wir müssen im nächsten Schuljahr fertig sein“, sagt Friederike Grötzsch. Dann sollen statt der heutigen 28 Kinder 80 Schüler unterrichtet werden. Das Raumkonzept wurde inzwischen überarbeitet. Der Tempelsaal soll als Andachts und Multifunktionalraum z.B. für den Musikunterricht genutzt werden. Für den Umbau der Schule waren 550 000 Euro angesetzt, die die evangelische Landeskirche ohne Fördermittel schultert. Das Gebäude selbst gehört immer noch der Weltkugel-Stiftung.
Der Tempelsaal soll auch für Besucher zugänglich sein. „Zu unseren Tagen der offenen Tür laden wir die Zerbster gern ein“, verspicht Schulleiterin Grötzsch.






